{"id":15,"date":"2010-03-05T21:33:37","date_gmt":"2010-03-05T20:33:37","guid":{"rendered":"https:\/\/d-mueller.de\/blog\/?p=15"},"modified":"2016-02-15T20:11:07","modified_gmt":"2016-02-15T19:11:07","slug":"erfahrungen-auswahlseminar-studienstiftung-des-dt-volkes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/d-mueller.de\/blog\/erfahrungen-auswahlseminar-studienstiftung-des-dt-volkes\/","title":{"rendered":"Erfahrungen Auswahlseminar Studienstiftung des dt. Volkes"},"content":{"rendered":"<h3>Ersteindr\u00fccke \u2013 Vorstellungen \u2013 Anreise<\/h3>\n<p>Ich bin nach meinem Abitur 2008 f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.studienstiftung.de\/\">Studienstiftung des deutschen Volkes<\/a> vorgeschlagen worden und habe zwischenzeitlich meinen Zivildienst abgeleistet, sodass ich erst jetzt (M\u00e4rz 2010) zu einem Auswahlseminar eingeladen wurde. Meinen 3 \u00bd seitigen Lebenslauf und alle geforderten Zeugnisse hatte ich eingeschickt und es folgte eine Einladung in die Jugendherberge <a href=\"http:\/\/www.djh-hessen.de\/articles_info.php?tPath=1_5_91&amp;articles_id=23\">Bad Homburg<\/a> bei Frankfurt\/Main in unmittelbarer N\u00e4he zu meiner FH (Hochschule Darmstadt, Informatik). Ich habe \u00fcbrigens das erste Semester Informatik gerade hinter mir.<\/p>\n<p>Daheim sollte man sich auf ein 10min\u00fctiges Referat zu einem beliebigen Thema vorbereiten. Weitere Ausf\u00fchrungen zu den einzelnen Stationen auf dem Auswahlseminar folgen dann sp\u00e4ter. Mir war schon etwas mulmig was einen da so erwartet aber ich bin trotzdem optimistisch hingefahren. Die Anreise war bis 18 Uhr m\u00f6glich, danach gab es dann gleich gemeinsames Abendbrot.<\/p>\n<p>Am Bahnhof in Bad Homburg angekommen zerstreuten sich meine Bedenken. Die erste Person, die mir auffiel war ebenfalls mit gro\u00dfem Rucksack bekleidet und trug eine lilafarbene Leggins mit L\u00f6chern und einen Pali-Schal. <strong>Klasse, also doch nicht alles piekfeine Leute!<\/strong> Man sollte zwar so kommen, wie man sich wohlf\u00fchlt \u2013 aber man wei\u00df ja nie. In der Jugendherberge angekommen macht man sich erst mal an den etwas verwirrend aufgebauten Plan, in dem dokumentiert ist wann welche Person zu welchem Gespr\u00e4ch erscheinen soll. Wir waren 44 Leute und wurden in 8 Gruppen unterteilt. Nachdem man dann einem Zimmer zugewiesen wurde stellte sich eigentlich sofort heraus, dass absolut jeder die genau gleichen Bedenken hatte: Anzugtragende, realit\u00e4tsfremde \u00dcbernerds. Beim ersten Abendbrot haben sich sofort interessante Gespr\u00e4che eingestellt und die Zeit verging wie im Flug. Die 8 Mitglieder der Auswahlkommission \u2013 bestehend aus ehemaligen Stipendiaten und Professoren verschiedener Fachrichtungen &#8211; stellten sich danach noch vor und hinterlie\u00dfen einen \u00fcberwiegend sympathischen Eindruck.<\/p>\n<h3>Der erste Tag<\/h3>\n<p>Mein erster Tag begann direkt mit dem Gruppengespr\u00e4ch. Der 10min\u00fctige Vortrag ist thematisch komplett frei, sollte aber auf jeden Fall laienverst\u00e4ndlich r\u00fcbergebracht werden. Schlie\u00dflich sind verschiedenste Studienf\u00e4cher vertreten. Anschlie\u00dfend folgt eine 15min\u00fctige Diskussion zum Thema. <strong>Tipp:<\/strong> Sucht euch ein nicht &#8222;ausgelatschtes\u201c, diskutables Thema zu dem es verschiedene Meinungen gibt. Mein Thema war die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kulturflatrate\">Kulturflatrate<\/a> was eigentlich auch gut geklappt hat. Andere wiederum haben sich f\u00fcr die altbew\u00e4hrten Kalauer (g\u00e4hn) wie Atomkraft entschieden oder ein total undiskutables Thema wie \u201eDer Weg ins Ausland f\u00fcr Architekten\u201c genommen. Letztendlich hat aber zu jedem Thema eine Diskussion stattgefunden, schlie\u00dflich ist ja jeder interessiert daran, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Der Pr\u00fcfer selbst sitzt in der Ecke des Raumes und will (nach eigener Aussage) \u201egar nicht beachtet werden\u201c. Mein Vortrag war sicher etwas l\u00e4nger als 10 Minuten aber gesagt hat keiner was. Wenn man sich zwischen 7 und 13 Minuten befindet sollte das schon okay sein. Sehr angenehm ist zu vermerken, dass das Bewertungsschema kein \u201eGegeneinander\u201c provoziert, also niemand den anderen \u201eAusstechen\u201c kann oder will. <strong>Theoretisch kann jeder, aber auch keiner genommen werden.<\/strong>. F\u00fcr Details zum Bewertungsverfahren verweise ich gerne auf <a href=\"http:\/\/www.omsn.de\/news\/studienstiftung-auswahlseminar-erfahrungsbericht\/\">diese hilfreiche Seite<\/a> (Abschnitt <em>&#8222;Was wird bewertet&#8220;<\/em>).<\/p>\n<p>Der Pr\u00fcfer schreibt eifrigst bei jeder Aussage mit, achtet wahrscheinlich auf Diskussionsverhalten, K\u00f6rpersprache, Selbstsicherheit etc.pp. Wir haben in unserer Gruppe am Vorabend bereits ein paar Diskussionspunkte zu den einzelnen Themen gesammelt (empfehlenswert!), um im Notfall nicht wortlos dazusitzen. Man muss bei allen Referaten aller Gruppenmitglieder (bei mir 5 incl. meines eigenen Referats) anwesend sein und mitdiskutieren. Hier also auf keinen Fall zu sehr in den Vordergrund spielen sondern einen kompetenten, selbstsicheren und h\u00f6flichen Eindruck vermitteln. Der Pr\u00fcfer gibt keinerlei Feedback oder Emotionen von sich, die Atmosph\u00e4re war sehr locker.<\/p>\n<p>Der Zeitplan ist oft dicht gesteckt, sodass man zwischen einem Vortrag und seinem Einzelgespr\u00e4ch gerade genug Zeit hat, um den Raum zu wechseln.<\/p>\n<p>Nun stand auch gleich <strong>das erste Einzelgespr\u00e4ch<\/strong> an. Mein Pr\u00fcfer war hier ein Wirtschaftswissenschaftler (total fachfremd). Es ging allgemein um meinen bisherigen Lebensweg und meine Gr\u00fcnde f\u00fcr die Berufswahl. Als wir dann tiefer auf mein Studiengebiet zu sprechen kamen und ich ihm laienverst\u00e4ndlich informatische Zusammenh\u00e4nge erkl\u00e4rte, wurde er erstaunlich konkret und war sehr an meinen Ausf\u00fchrungen interessiert. Irgendwann kam dann <em>\u201eHerr M\u00fcller, sie k\u00f6nnen mit mir ruhig so reden als w\u00fcrde ich eine Ahnung von ihrem Fachgebiet haben\u201c<\/em>. Ganz erstaunt fuhr ich fort und ging mehr ins Detail. Am Ende stellte sich heraus, dass er auch Prof in meinem absoluten Fachgebiet war und Mega-Ahnung hatte \u2013 klasse! Am Schluss kamen dann noch paar allgemeine Fragen zum Lebenslauf und meinen Zukunftspl\u00e4nen sowie die Frage, ob ich denn noch was erz\u00e4hlen m\u00f6chte, was noch nicht zu Sprache kam. Alles in allem sehr angenehm, freundlicher Mensch, lockeres Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen, paar allgemeinen Infos zur Studienstiftung und einem Kneipenabend mit den Leuten brach Tag 2 an.<\/p>\n<h3>Der zweite Tag<\/h3>\n<p>Das zweite Auswahlgespr\u00e4ch fand gleich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck (welches es ab 7 Uhr gibt) statt. Noch heiter von Einzelgespr\u00e4ch Nummer 1 befand ich mich in einer <em>\u201eJetzt kann ja nix mehr schiefgehen\u201c<\/em>-Verfassung. Die Pr\u00fcferin (sehr jung, Wirtschaftswissenschaften) machte erst einen ganz freundlichen Eindruck aber die Fragen wurden schnell <strong>provokant bis unangenehm<\/strong>. Im Nachhinein glaube ich aber, dass Sie nur das eigene Verhalten unter Stress abklopfen wollte. W\u00e4hrend dem Gespr\u00e4ch allerdings hatte ich das Gef\u00fchl, dass Sie mich (oder meinen Studiengang?) nicht besonders mochte. Man kann sich zwar laut Angabe der Studienstiftung auf Einzelgespr\u00e4che nicht vorbereiten, allerdings ist es durchaus ratsam, sich auf ein paar Fragen <strong>eine Antwort parat zu legen<\/strong>.<\/p>\n<p>Als da w\u00e4ren: <em>\u201eWas bedeutet f\u00fcr sie der Begriff Verantwortung?\u201c, \u201eWie gehen sie mit Misserfolgen um\u201c, \u201eWas sind ihre St\u00e4rken \/ Schw\u00e4chen?\u201c, \u201eWas war das schlimmste \/ sch\u00f6nste Erlebnis w\u00e4hrend ihrer Schullaufbahn?\u201c<\/em> und <em>\u201eWo sehen sie sich selbst in 10 Jahren?\u201c<\/em>. Auch zum Weltgeschehen wurde Kenntnis abgeklopft, es kann also nichts schaden, Zeitung zu lesen. Kostprobe: <em>\u201eWas halten Sie davon, dass L\u00e4nder in denen das Hauptverkehrsmittel der Ochsenkarren ist in die EU eintreten und die Wirtschaftsleistung der wohlhabenden L\u00e4nder beeinflussen?\u201c<\/em>. Sehr provokante Frage! Hier auf jeden Fall gelassen reagieren. Auch pers\u00f6nlich wurden einige Sachen gefragt, die ich so nicht erwartet hatte (die Dame hatte den Lebenslauf sehr gr\u00fcndlich gelesen): <em>\u201eDer typische Informatiker sitzt ja doch eher im Keller. Ich kann z.B. auf ihrem Campus mit Sicherheit 90% der Informatiker als solche erkennen. Wie stehen sie dazu?\u201c<\/em>. 1:1 hat sie das so zwar nicht gefragt, aber sinngem\u00e4\u00df kam es so r\u00fcber. Leicht geschockt habe ich mich meines Erachtens nach ganz gut aus der Situation befreit und nach dem abschlie\u00dfenden Mittagessen folgte die Abreise.<\/p>\n<h3>Das Zwischenmenschliche<\/h3>\n<p>Ich habe ja vorhin schon mal anklingen lassen, dass eigentlich jeder das gleiche an Publikum bef\u00fcrchtet hat (spie\u00dfige Superintelligente) und am Ende eigentlich alle Leute total locker drauf waren. Durch die f\u00fcr jeden gleiche Belastung entsteht nat\u00fcrlich auch besonders schnell ein <strong>Zusammenhalt<\/strong>. Was mich sehr positiv \u00fcberrascht hat, war die ehrliche H\u00f6flichkeit und das ernstgemeinte Interesse an der Lebensgeschichte untereinander. Wie oft hat man schon Gespr\u00e4che gef\u00fchrt \/ f\u00fchren m\u00fcssen, die eigentlich nur auf Selbstprofilierung des Gegen\u00fcber ausgelegt waren.<\/p>\n<p>Viele Leute haben mit 21 wirklich schon bemerkenswerte Erfahrungen gemacht (z.B. Mitbegr\u00fcnder einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intelligent_Design\">theologisch-philosophischen Str\u00f6mung<\/a>) \u2013 und sind trotz dessen total bodenst\u00e4ndig geblieben. Jeder hatte auch eine lustige Seite und keine Angst vor derbem Humor, Bef\u00fcrchtungen hinsichtlich des Zwanges zu hochgestochener Aussprache sind also unangebracht. Alles in allem sehr interessante Bekanntschaften, die hoffentlich auch erhalten bleiben werden (es kommen ja alle aus der gleichen Gegend). Aus dem Seminar ging eigentlich jeder mit der Einstellung heraus, dass es ein tolles Wochenende war und man sein Bestes gegeben hat &#8211; ob man nun genommen wird oder nicht. Das <strong>Ergebnis soll nach 2 Wochen<\/strong> per Post geschickt werden, mal sehen. Werde ein Update hier hereinschreiben, wenn ich mehr wei\u00df. Als Tipp kann ich euch nur mitgeben, die Sache so locker wie m\u00f6glich auf euch zukommen zu lassen und davon auszugehen, dass alle anderen Kandidaten genauso ticken wie ihr.<\/p>\n<p><strong>Wenn ihr Fragen zu meinen Ausf\u00fchrungen habt, k\u00f6nnt ihr mir gerne eine <a href=\"mailto:mueller.dav@gmail.com\" target=\"_blank\">Mail<\/a> schreiben.<\/strong><\/p>\n<h3>Update 22.03.2010<\/h3>\n<p>Nach knapp 2 Wochen Wartezeit auf den Brief hatte ich den gro\u00dfen Umschlag mit allen weiteren Unterlagen im Briefkasten (=<strong>angenommen<\/strong>). R\u00fcckblickend kann ich nur nochmal sagen, dass ihr euch auf garkeinen Fall verstellen braucht oder irgendwelche besonders interessanten Sachen f\u00fcr den Lebenslauf &#8222;erl\u00fcgen&#8220; m\u00fcsst oder solltet &#8211; Ganz viele der Leute, die angenommen wurden waren total unbeschwert einfach sie selbst, ohne sich selbst besonders hervorzuheben. Sollte noch etwas passieren, was ich f\u00fcr besonders mitteilenswert halte, werde ich es auf dieser Seite berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ersteindr\u00fccke \u2013 Vorstellungen \u2013 Anreise Ich bin nach meinem Abitur 2008 f\u00fcr die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen worden und habe zwischenzeitlich meinen Zivildienst abgeleistet, sodass ich erst jetzt (M\u00e4rz 2010) zu einem Auswahlseminar eingeladen wurde. 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